20.12.2022: Interkultur ist mehr als nur ein Schlagwort – Rückblick auf den RB Arnsberg

von Marcos A. da Costa Melo
in: FUgE-News Ausgabe 02/2022

Über 20 spannende Events und Netzwerktreffen stellte das Interkulturprogramm zwischen Juli und Dezember 2022 u. a. in Geseke, Hagen, Hamm, Lippstadt, Lünen und Münster auf die Beine.

Besonders hervorheben möchte ich den Abschluss des Projekts „Stimmen aus Hamm“, das am 2. Dezember in der Stadtbücherei Hamm stattfand und bei dem die Ausstellung „Nothing about us without us“ des Netzwerks von Medien.Vielfalt gezeigt wurde. Geflüchtete berichten hier in einem interaktiven Format mit Karten, Laptops und Audiogeräten über die Flucht- und Migrationsgeschichte in Deutschland. Im Mittelpunkt des Projektabschlusses standen die eigenen Produktionen der Workshop-Teilnehmerinnen, die ihr neues Leben in Hamm, ihre Flucht- und Migrationserfahrung schildern. In den sechs Medienworkshops lernten sie zwischen September und November, Tonaufnahmen und Interviews als Ausdrucksformen zu erproben, Geschichten begleitet von Klängen zu erzählen, sowie kreativ zu schreiben und Gesprächsrunden zu führen. Betreut wurden die Workshops u. a. von Claudia Wegener, die die Medienkompetenz der migrantischen Frauen, Kinder und Jugendlichen aus über zwölf Nationen förderte.

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Workshop mit Joseph Mahame im Rahmen von „STIMMEN AUS HAMM“ Foto: C. Wegener.

Ein weiterer Höhepunkt der Interkulturarbeit war das Forum über die „Wege zur Ernährungssouveränität“ am 28. November im CVJM Hamm mit Prof. Antonio Andrioli, der darstellte, dass die exportorientierte Landwirtschaft globale Ernährungskrisen und Lebensmittelversorgung in den Ländern des globalen Südens v. a. in Zeiten von Mehrfachkrisen beschleunigt hat. Prof. Andrioli war zudem Podiumspartner beim Online-Talk „Ernährung global sichern?! Gestern – heute – morgen“ in der Reihe Ruhr Global am 10. November.

Besonders viel Resonanz erfuhren mehrere Filmabende:
„Rhythm & Resistenz“ am 13. September im Cinema Münster, eine Dokumentation über den Kampf für Menschenrechte und den Widerstand der brasilianischen Afro-Bewegung.
„Welcome to Sodom“ am 28. September in Lünen, ein anschaulicher Beweis zu Europas größter Müllhalde mitten in Afrika.
„Die Geister, die ich rief – Wege des Stahls“ am 7. November, über den Einsatz von Aktivist*innen gegen die Ausbeutung menschlicher und natürlicher Ressourcen in Brasilien, Italien und Deutschland.

Die Gespräche mit Expert*innen und Betroffenen, die über ihre Erfahrungen mit dem Thema berichteten und gemeinsam mit dem Publikum Auswege aus dem zerstörerischen Lebensstil suchten, standen im Vordergrund der o. g. Filmabende.
Besonders gut angenommen wurde das neue Konzept des Open-Air-Kinos im Haus Caldenhof Hamm. Vor den Filmvorführungen präsentierte FUgE die Kunstwerke von Firoz Ahmad Nori aus Afghanistan und Gerti Hauptführer aus Hamm. Sie berichteten über die Entstehung ihrer Kunstwerke und ihre Motivation. Während Gerti Hauptführers Werke den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zum Thema hatte, ging Nori auf die brutale Vorgeschichte von Gewalt in seiner alten Heimat Afghanistan ein. Hautführer undNori führten anschließend Gespräche mit Gästen u. a. über Kunst als Form der Aufarbeitung von Krieg und Gewalt und betonten, dass Kunstwerke einen Zustand einer persönlichen Erinnerung darstellen.
Erst dann wurden die Filme ab 21 Uhr vorgeführt. Zur Einführung von „Kabul, City in the Wind“ am 12. August sprach Suheil Kadery, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft für afghanische Flüchtlinge (AGfaF), der über die Herausforderungen einging, die dramatische Lage in Afghanistan in der Öffentlichkeit wach zu halten. Zum Spielfilm „Zu weit weg“ sprach Yammen Al Shumali, Geflüchteter aus Syrien und Interkulturpromotor im RB Detmold, der auf die Vorgeschichte und Entstehung des Krieges in seiner Heimat erläuterte.
Ebenso nennenswert war das Fachgespräch über Geschlechtergerechtigkeit im Fairen Handel am 27. August bei FUgE. Bei diesem Gespräch tauschten Mildred Niebles und Ilba Camacho von der kolumbianischen Kooperative Red Ecolsierra und weitere 15 Teilnehmerinnenihre Erfahrungen über die Wege der Überwindung patriarchalischer Strukturen aus. Es nahmen u. a. die Hammer Bürgermeisterin Monika Simshäuser, Rieke Meyer von der städtischen Gleichstellungsstelle und Regina Schumacher-Goldner aus dem Internationalen Club Hamm (I.C.H.) teil. Nicht zuletzt weckte der Hybrid-Talk zu „Brasilien vor den Wahlen“ in der VHS Hamm mit Dr. Thomas Fatheuer, der direkt aus Brasilien zugeschaltet wurde, und Igor Birindiba Batista am 27. Septembermit über 50 Menschen viel Interesse.

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Mildred Niebles und Ilba Camacho mit Hamm Bürgermeisterin Monika Simshäuser (Mitte) und Aktivistinnen aus Hamm.

Der Hybrid-Talk zu Brasilien sowie einige der Filmabende wurden im Rahmen des Projektes „Globale Gerechtigkeit neu denken“, das vom Engagement Global im Auftrag des BMZ gefördert wird.

Ausführliche Infos zu den o.g. Interkulturveranstaltungen unter www.fuge-hamm.org/interkulturarbeit-im-rb-arnsberg
Das Promotor*innen-Programm für interkulturelle Öffnung wird von der Landesregierung NRW gefördert.