23.10.2026: Risiken und Chancen des Imports des grünen Wasserstoffs aus Brasilien

Leserbrief von Marcos A. da Costa Melo
Westfälischer Anzeiger, 23. Oktober 2026
Zum WA-Artikel „Der Weg des Wasserstoffs“ vom 17. Oktober 2026

Wasserstoffwende braucht internationale Verantwortung
Risiken und Chancen des Imports des grünen Wasserstoffs aus Brasilien

Die Umstellung der Industrie auf grünen Wasserstoff ist entscheidend, um energieintensive Branchen wie Stahl und Chemie in Nordrhein-Westfalen in die Klimaneutralität zu führen. Dafür braucht es politische Unterstützung, verlässliche Rahmenbedingungen und Unternehmen, die bereit sind, in die Transformation der Energienutzung zu investieren. Dass bislang Abnahmeverträge für grünen Wasserstoff fehlen, zeigt: Die Politik muss den Aufbau entsprechender Märkte weiterhin aktiv voranzubringen.
Doch beim Import des grünen Wasserstoffs aus meiner Heimat Brasilien sollte nicht allein die Versorgungssicherheit in NRW aber auch die Gefahren bedacht werden. Für die Produktion von Wasserstoff benötigt man Wasser, das im brasilianischen Bundesstaat Ceará knapp ist. Für den Ausbau von Wind- und Solarenergie bergen auch viele Risiken für die Region, da kleinbäuerliche Betriebe den Landtitel nicht immer vorweisen können. Zudem bedrohen die Entwicklung die Lebensformen von Indigenen sowie anderen traditionellen Gemeinschaften, die nicht wirksam geschützt. Eine erfolgreiche Wasserstoffpartnerschaft, wie die zwischen dem brasilianischen Bundesland Ceará und NRW, darf nicht auf Kosten der Menschen vor Ort gehen.
NRW sollte deshalb nicht nur den Import grüner Moleküle fördern, sondern sich gemeinsam mit brasilianischen Partnern für verbindliche Menschenrechts- und Umweltstandards, Transparenz und echte Mitsprache der betroffenen Gemeinschaften einsetzen.
Welche sozialen und ökologischen Herausforderungen dabei zu beachten sind, zeigt das Factsheet
„Partnerschaft braucht Verantwortung – Die Wasserstoffkooperation zwischen NRW und Ceará“ des oikos-Instituts der Evangelischen Kirche von Westfalen und des Forums Umwelt und gerechte Entwicklung (FUgE e.V.) in Hamm.
Mehr zu den Risiken und Chancen des grünen H2O aus Brasilien unter https://fuge-hamm.org/wasserstoff-kooperation-nrw-ceara-brasilien

Marcos Antonio da Costa Melo
Fachpromotor für Eine Welt Engagement in der Migrationsgesellschaft im Rahmen des Promotor*innen-Programms.

 

WA-Artikel „Der Weg des Wasserstoffs“ vom 17. Oktober 2026