16.06.2015: Kan’nida, Guadeloupe

 17.30 Uhr, Jugendkirche Hamm, Martin-Luther-Str.

Eintritt frei.

guadeloupeEine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Gwo Ka
Rund 6.710 km (Luftlinie) liegen zwischen der karibischen Inselgruppe Guadeloupe und Paris – doch seit 1946 ist sie offizielles Überseedepartment Frankreichs und gehört somit auch zur EU. Im 17. Jh. war das Gebiet aber bereits Kolonie: Um den extensiven Kaffee- und Zuckerrohranbau auf den Plantagen zu bewältigen, ließen die Kolonialherren unzählige afrikanische Sklaven herbeischiffen, die schließlich die Mehrheit der Bevölkerung auf der Inselgruppe stellten. Nachdem im Zuge der französischen Revolution 1789 die Sklaverei offiziell abgeschafft wurde, führte Napoleon sie 1802 schon wieder ein –und  es sollte noch fast ein halbes Jahrhundert dauern, bis sie 1848 endgültig verboten wurde.
Die Musiker von Kan’nida sind lebendige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, richtungsgebend und zukunftsweisend für eine zeitgenössische guadeloupianische Identität: Sie sind die stolzen Vertreter der Gwo Ka Tradition (Gwo Ka = „große Trommel“), die ihren Ursprung in den Musikkulturen der afrikanischen Sklaven hat, die aus Westafrika auf die karibischen Inseln kamen. Obwohl Gwo Ka damit Teil des kulturellen Erbes für die Mehrheit aller Guadeloupianer ist, war es bis Anfang der 1990er-Jahre in vielen Teilen Guadeloupes verboten, diese Musik öffentlich aufzuführen.

Gwo Ka beinhaltet verschiedene Stile, Gesang gehört ebenso dazu wie Tanz und Instrumente. Eine besondere Tradition innerhalb der Gwo Ka Musik wird allerdings rein a cappella aufgeführt: bouladjel. Boula ist der Name der großen Trommeln und in der bouladjel werden die Klänge dieser Trommeln mit dem Mund bzw. durch bestimmte Atemtechnik und Kehlkopfgesang nachgeahmt. Im Repertoire der Gruppe finden sich aber auch Lieder für alle möglichen Anlässe: für die Arbeit, für Spiele und Feiern jeglicher Art. Gesungen wird in Créole. Siehe Klangkosmos_Programm_2014-2015