Fachstelle für Eine Welt Engagement in der Migrationsgesellschaft im Frühjahr 2026

Marcos A. da Costa Melo
In: FUgE-News Ausgabe 01/2026

Eine Vielzahl von Themen rund um Flucht, Migration, Rassismus, Kolonialismus und das vergessene Kapitel der Geschichte der „Dritten Welt“ im Zweiten Weltkrieg prägten die Fachstelle im Frühjahr 2026.

Folgende Medienprojekte, Vorträge, Filmforen und Ausstellungen sind hervorzuheben:
=> Dank des Fachpromotors schloss das Hörbar-Team – eine Gruppe von 12 Frauen mit Flucht und Migrationsgeschichte – ihr Radio-Projekt „Lebensgeschichten und Musik von Frauen zwischen den Kulturen“ Ende Januar 2026 erfolgreich ab. In sechs Radio-Sendungen, die monatlich im Bürgerfunk auf der Lippewelle zu hören waren, berichtete das Team über ihre Teilhabe in der neuen Heimat, Erfahrungen im sozialen Umfeld und Arbeitsmarkt in Deutschland, in ihrer neuen Heimat. Dramatisch waren die Ausführungen über das Leben in der Militärdiktatur Chiles, die Unterdrückung durch die Taliban in Afghanistan, den Völkermord an den Jesid*innen in Shingal/Irak oder die Flucht aus der Ukraine nach der russischen Invasion. Nicht zuletzt sprachen sie über ihre Religion, Kultur und Zukunftsvisionen. Im Mai 2026 setzt das Team sein Projekt mit weiteren Radio-Sendungen fort und organisieren eine Vortragsreihe über Vielfalt, Chancen und Solidarität.

=> Im Februar organisierte die Fachstelle mit dem Deutsch-Ukrainischen Freundeskreis und Amnesty International Hamm das Ukraine-Abendgespräch „Die Opfer des russischen Angriffskrieges“. Die ukrainischen Veteranen Vadim und Mychajlo, die schwere Verletzungen 2025 an der Front gegen die Invasion Russlands erlitten haben und in Hamm behandelt wurden, sprachen über den Alltag, die Folgen des russischen Überfalls, Schmerz, Tod und zerstörte Lebenspläne. Sie sprachen über die neue entstandene ukrainische Identität, die Kommunikation mit den Partnerinnen im Ausland und gemeinsame Träume. Über 70 Menschen kamen zur Veranstaltung und befassten sich mit der Notwendigkeit der Solidarität mit Betroffenen von Flucht, Konflikt und Migration.

=> Ähnlich verlief der Filmabend „Splitter aus Licht“ von Mila Teshaieva und Marcus Lenz im April, auch bei FUgE. Der Film, der die Massaker von Butscha – Symbol für russische Kriegsverbrechen – in den Mittelpunkt stellt, befasste sich mit der Langzeitfolgen des Krieges insbesondere der jungen Generation der Stadt. Bei der Nachbesprechung mit rund 20 Gästen spielten zwei Ukrainerinnen eine besondere Rolle, da sie mit den Hauptprotagonisten eng verbunden sind und über Details der Dokumentation und des Lebens in Butscha berichteten.
Die Folgen des Überfalls Russlands prägten auch die Vorträge „Epochenbruch – Ukraine-Krieg und neue Welt(un)ordnung“ mit Dr. Peter Brandt mit über 100 Teilnehmer*innen am 15. April und „Polen und der westliche Nachbar Deutschland“ mit Dr. Michalczyk mit ca. 25 Gästen am 21. April.

=> März 2026 war von den Hammer Wochen gegen Rassismus geprägt. Auf Initiative der Fachstelle fanden die Ausstellung „Geschichte in vier Gemälden – Der Kolonialismus und sein Erbe“ mit Naseer Alshabani und Serge Palasie und die Gesprächsrunde „Die Macht der Worte, Musik und Bilder“ mit Jihan Alomar, Siber und Ibrahim Alpeso statt. Über 30 Gäste nahmen an der Ausstellung und über 40 an der Gesprächsrunde teil.

=> Lehrreich für die Fachstelle war die Organisation des Forums „Grüner Wasserstoff – Hoffnung, Risiken und Realität“ am 15. April im Welthaus Dortmund. Nach der kritischen Einführung von Eva-Maria Reinwald (oikos-Institut), die auf die Gefahren des Wasserstoff-Exports aus Ländern des globalen Südens hinwies, zeigte Prof. Dr.-Ing. Semih Severengiz (Hochschule Bochum), wie eine PV-Anlage in Tema/Ghana (ca. 35 km von Accra entfernt) beim Energie-Überschuss über Elektrolyse Wasserstoff produziert. Bei Bedarf wandelt dieses dezentrale System den hergestellten Wasserstoff über Brennstoffzellen in Strom um. So wird Wasserstoff als Speicher benutzt, um die Energieversorgung der kleinen Siedlung zu sichern. Der mit den konventionellen Batterien gespeicherte Strom reichte bis dahin nicht aus, den Campus Don Bosco Solar and RenewableEnergy mit Strom abends zu versorgen. Dabei spielt die Qualifizierungsmaßnahme rund um die Wasserstofftechnologie eine zentrale Rolle, da sie den Wissenstransfer der eingeführten Technologie sicherstellt.

=> Am 7. Mai 2026 fand die Eröffnung der von der Fachstelle kuratierte Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg – Ein vergessenes Kapitel der Geschichte“ in der Stadtbücherei Hagen statt. Sie korrigiert die eurozentrische Geschichtsschreibung, die erzählt, dass am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg begann. Aber bereits ab 1935 führte die faschistische Regierung Mussolinis mit rund 300.000 Soldaten aus Italien, Libyen, Eritrea und Somaliland einen Vernichtungskrieg gegen Äthiopien. „Die Kolonialmächte England und Frankreich setzten während des Zweiten Weltkriegs rund 16 Millionen Soldaten aus Afrika und Asien ein, die entscheidend zum Sieg gegen den Faschismus beitrugen“, berichtetet der Fachpromotor. Die Ausstellung von Recherche International Köln arbeitet mit Lehrmaterialien, Bildtafeln, Landkarten, Kurzvideos und Audiostationen. An der Eröffnung wirkten u.a. der senegalesische Historiker Cheikh Djibril Kane, die Regionalpromotorin Claudia Eckhoff von AllerWeltHaus Hagen und Serge Palasie, Fachpromotor für Entwicklungspolitische Bildungsarbeit Fokus Afrika. Über 35 Gäste nahmen daran teil.

Die Perspektive von Expertisen, Geflüchteten und Zugewanderten stand im Mittelpunkt der ersten Jahreshälfte 2026, um ein differenziertes Bild Migration und Fluchtursachen aber auch von Konflikten in der Welt zu geben.
Der Fachpromotor blickt zuversichtlich auf kommende Veranstaltungen über die Bedeutung der Frauen im „Mittleren Osten“, die Rolle der Fußball-WM beim aufkommenden Nationalismus, die Gefahren des Wasserstoff-Exports aus Brasilien und nicht zuletzt die faire Bio-Orangenaktion, die auf die Ausbeutung von Geflüchteten im Süden Europas aufmerksam macht.

Mehr zu den Angeboten und Veranstaltungen der Fachpromotorstelle für Eine Welt Engagement in der Migrationsgesellschaft unter https://fuge-hamm.org/portfolio/interkultur-arbeit-im-rb-arnsberg

Diese Fachstelle wird von der Landesregierung NRW gefördert.