Was bringt der Tropenwaldfonds TFFF?

Marcos A. da Costa Melo
Um die Klimakatastrophe zu verhindern spielen u.a. die tropischen Regenwälder eine entscheidende Rolle.
In: FUgE-News Ausgabe 01/2026


Um die drohende Klimakatastrophe zu verhindern, müssen verschiedene Instrumente greifen.
Eine entscheidende Rolle spielen dabei die tropischen Regenwälder, da sie große Mengen Kohlenstoff speichern, für ein stabiles Klima sorgen und bei ihrer Zerstörung riesige Mengen CO2 freisetzen. Zudem beheimaten sie Millionen Arten von Pflanzen und Tieren.
Die Zerstörung der Regenwälder setzte sich 2024 drastisch fort, 67.000 km2 Wald gingen verloren. Die Hälfte dieser Fläche – etwa so groß wie Nordrhein-Westfalen – wurde in Brasilien (28.240 km2) und in der DR Kongo (5.900 km2) entwaldet. Diese Länder werden die größten Profiteure des Tropenwaldfonds TFFF (Tropical Forests Forever Facility) sein.
Die meisten tropischen Wälder befinden sich in ärmeren Ländern. Ihr Schutz kostet Geld, während ihre Abholzung, zum Beispiel für die Landwirtschaft oder den Bergbau, Gewinne bringen. „Derzeit gilt ein Wald als wertvoller, wenn er zerstörtwird, um Platz für Gold-, ÖlundPalmölgewinnung oder die Fleisch- und Milchproduktion zuschaffen“, so Syahrul Fitra von GreenpeaceIndonesien.
Vor diesem Hintergrund fordern seit Jahrzehntenhauptsächlich indigene Gemeinschaften und Umweltorganisationeneine Finanzierung des Waldschutzes.
Der Tropenwaldfonds soll die Antwort auf die Frage nach dem effektiven Regenwaldschutz liefern. Er sieht die Zahlung von 4 US$ pro Hektar erhaltenen Regenwaldes vor und ist auch ein Prestigeprojekt der brasilianischen Regierung und wurde während der COP 30 offiziell gestartet.
TFFF: Tropische Wälder als Finanzanlage?
Brasilien wartet auf die Zusage von ca. 10 Mrd. US$ u. a. von China und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ende 2025 haben mehrere Länder, darunter auch Deutschland, bereits 7 Mrd. US$ für den Fonds zugesagt. 25 Mrd. US$ sollen von den reichen Ländern und weitere 100 Mrd. US$ von privaten Sponsoren – etwa Pensionsfonds, Banken oder großen Unternehmen – kommen. Durch Rendite sollen 4 Mrd. US$ im Jahr für den Waldschutz freigesetzt werden. Profiteure dieses Geschäftsmodells sollen Brasilien, DR Kongo und weitere 70 Länder sein, wenn sie die Entwaldung bekämpfen.
durch einen Verwaltungsrat gesteuert, der sich aus 18 Mitgliedsländern zusammensetzt: neun von Sponsoren- und neun von Empfängerländern. Nur Länder mit einer Entwaldungsrate von unter 0,5 % sollen von TFFF profitieren. Zudem müssen diese Länder 20 % der TFFF-Mittel an indigene und traditionelle Gemeinschaften weitergeben.
„Dieser TFFF ist eine wunderbar starke Vision und die beste Chance, die wir seit Jahrzehnten haben, um ernsthaft die Abholzung zu beenden“, so Felix Finkbeiner von Plantfor- the-Planet. „Wenn er erfolgreich ist, wird er für immer bleiben und für immer Wälder schützen“, sagt Mauricio Voivodic vom WWF über den Fonds. Es sei daher „viel besser, das zu machen, als auf eine andere Lösung zu warten, die perfekt ist“.
Ebenfalls haben sich indigene Netzwerke weltweit hinter den Plan gestellt, u. a. AMAN-Indone – sische indigene Völkerallianz, AMPB – Mesoamerikanische Allianz der Völker und Wälder, APIB – Netzwerk indigener Völker Brasiliens, COICA – Koordinierungsorgan indigener Organisationen im Amazonas und REPALEAC – Regionale Organisation für die Rechte indigener Völker Kongos.
Doch es gibt viele offene Fragen.
Einige Expertinnen bezweifeln, ob die Kontrolle des Fonds zuverlässig genug ist. Noch ist unklar, ob der TFFF gute Kreditbewertungen bekommt, also die Voraussetzung dafür, dass genügend Investorinnen mitmachen. Auch steht nicht fest, ob der Fonds tatsächlich die erhofften Gewinne erzielt. Wenn es einen Crash am Kapitalmarkt gibt, würden zuerst die Investoren ausgezahlt werden, betont Anika Schroeder von der Hilfsorganisa – tion Misereor.
Die zentrale Kritik an der TFFFKonzeption bezieht sich auf die mangelnde Zuverlässigkeit der Finanzmärkte, die insbesondere in Zeiten von multiplen Krisen starke Schwankungen aufweisen können: Um 4 US$ pro Hektar auf eine Mrd. Hektar erhaltenen tropischen Waldes zu zahlen, müsste der Investitionsfonds jährlich einen Gewinn von 4 Mrd. US$ durch eine Jahresrendite von 7,5 % erzielen.
dass die durch den Fonds angelegten Gelder nicht in fossile Projekte fließen. Felix Finkbeiner von „Plant-for-the-Planet“ kommentiert: Es soll eine Liste von Branchen und Firmen festgelegt werden, in die nicht investiert werden darf, etwa Öl, Gas, Kohle oder Unternehmen, die direkt zur Abholzung beitragen. Aber bislang exis – tierten nur Grundsätze, keine detaillierten Ausschlussregeln. Bedenklich ist auch, dass andere wertvolle Ökosysteme durch den Fonds nicht unterstützt werden.
Und letztendlich ist nicht definiert, welche Regeln für die Zuteilung von Mitteln gelten und wie die Finanzmärkte gezielt die tropischen Regenwälder schützen sollen.
Martin Kaiser von Greenpeace Deutschland hält den TFFF daher für „noch nicht reif“. Es seien noch einige Fragen bei der Ausgestaltung zu klären, damit der Fonds nicht für „Greenwashing“ missbraucht werde.