09.05.2017: Interviewabend mit Geflüchteten und Migranten

Interviewabend mit Geflüchteten und Migranten
Dienstag, 9. Mai 2017, 19.00 Uhr, VHS Hamm
Moderation: Bernd Lammers, Direktor der VHS Hamm
Der Eintritt ist frei.

Flüchtlingshilfe und FUgE Hamm laden zur Veranstaltung „Wir müssen reden“ Interviewabend mit Geflüchteten und Migranten ein. Yvonne Chipo Makopa aus Simbabwe, Anas Hasan aus Syrien und Mohibullah Hoshang aus Afghanistan gehen auf den Unterschied zwischen Flucht und Migration ein, berichten über ihre Herkunftsländer, Erlebnisse in Deutschland und ihren Alltag in der neuen Heimat. Die Fragen gehen auf ihre Träume, ihre Meinung zur „Festung Europa“ und ihre Erkenntnis über das Grundrecht auf Asyl und Migration in Deutschland und weltweit.
In Kooperation mit der VHS Hamm.
Diese Veranstaltung wird von Engagement Global, Servicestelle NRW, aus EPIB-Mitteln gefördert.

engagement-global

Siehe Impressionen und Bericht zur Veranstaltung unter http://fluechtlingshilfe-hamm.de/?p=642
2017-05-09_Interview-Flucht-MigrantionTraurig-Schön: Bewegende Momente beim Interviewabend
von Martin Kesztyüs

Bewegend und beeindruckend war er, der Interviewabend mit Geflüchteten und Migranten. Das Motto des Abends war klar: Wir wollen Türen öffnen und über das für gewöhnlich Verborgene sprechen. Wir wollen miteinander reden – nicht übereinander.
Ein hehres Ziel, doch der Plan ging auf. Die geladenen Gäste hätten unterschiedlicher nicht sein können. Während Yvonne Chipo Makopa aus Simbabwe die Geschichte ihrer Migration nach Deutschland erzählte, berichteten Anas Hasan aus Syrien und Mohibullah Hoshang aus Afghanistan über die Umstände und das Grauen ihrer Flucht.

Es war ein bewegender Abend, mit teils zutiefst traurigen, aber auch lustigen Momenten.
„Es ist nicht unser Krieg“ beantwortete Anas Hasan im Laufe des Abends die populäre Frage, warum primär junge Männer flöhen und warum diese nicht stattdessen für ihr Land kämpften. Es sei eine ausweglose Entscheidung zwischen töten und getötet werden, erläuterte er weiter. Dennoch hat er gut drei Jahre überlegt, sich vor Ort für eine bessere Zukunft eingesetzt und alles versucht, bevor er sich entschloss die Gefahren und die Ungewissheit einer Flucht gemeinsam mit seinem Bruder auf sich zu nehmen. Über die Türkei kam er durch einen Schlepper nach Deutschland. Etliche Stunden verbrachte er in einen LKW geengt mit viel zu vielen anderen Flüchtlingen, im Dunkeln, ohne ein Wort, bis er schließlich irgendwo in Deutschland ausgesetzt wurde. „Das war nicht so geil.“ sagt er und beweist gerade mit dieser Formulierung einmal mehr, wie gut er sich mittlerweile in die Deutsche Sprache und Kultur eingefunden hat.

Im starken Kontrast dazu stehen die Erlebnisse von Yvonne Chipo Makopa, die mit siebzehn Jahren durch einen Schüleraustausch das erste Mal nach Deutschland kam und später zum Studieren wiederkehrte und blieb. Auch ihr Weg war nicht leicht, doch sie muss sich mittlerweile häufig dafür rechtfertigen, dass ihre Geschichte weniger traurig erscheint – eine Begleiterscheinung der Flüchtlingszahlen, die eine absurde, sensationslüsterne Erwartungshaltung aufzeigt.
Zum Thema Integration und Leitkultur formuliert sie treffend „Man kann nicht erwarten, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft von heute auf morgen anfangen Müll zu trennen“ und fordert mehr Zeit und Nachsicht – für beide Seiten.

Auch Mohibullah Hoshang möchte sich gerne integrieren und vor allem endlich die Deutsche Sprache lernen dürfen. Als Politiker, der sich für Frauenrechte einsetzte und medial bekannt war, war er in Afghanistan den Taliban ein Dorn im Auge und wurde bedroht. So entschloss auch er sich notgedrungen zur Flucht, die allerdings erst im dritten Anlauf gelang und erschütternde Eindrücke hinterließ. In Deutschland angekommen ist seine Situation weiterhin schwierig: Ihm droht die Abschiebung in das angeblich sichere Afghanistan, weshalb er bisher bei Deutschkursen immer nur auf der Warteliste landete. Er berichtet, dass die Angehörigen einflussreicher Personen in Afghanistan häufig in Europa lebten und fragt zurecht, wie es sein könne, dass ein Land als sicher eingestuft werde, in dem sich selbst diese Menschen nicht sicher fühlten. Er erhofft sich ein Umdenken diesbezüglich von der Politik in Deutschland und setzt sich mit großem Engagement bei Kundgebungen und anderen Aktionen dafür ein dies zu erreichen.

Eindrucksvoll zeigte der Abend auch, dass es nicht „die Flucht“ gibt, sondern sich hinter jedem Schicksal eine individuelle, tragische Geschichte verbirgt. Gerade deswegen wird es auch zukünftig weitere Interviewabende mit immer neuen Gästen geben, denn es gilt nach wie vor: Wir müssen reden!